Zwei Zahlen, zwei Fragen

Der Semesterdurchschnitt beantwortet die Frage: Wie lief dieses Semester? Er enthält nur die Kurse eines einzigen Semesters. Der kumulierte Durchschnitt beantwortet eine andere Frage: Wo stehe ich insgesamt? Er enthält alle Kurse, die du bisher abgeschlossen hast.

Beide Werte sind nützlich, aber für Verschiedenes. Mit dem Semesterdurchschnitt erkennst du, ob eine neue Lernstrategie, ein Nebenjob oder ein zu volles Semester sich in den Noten zeigt. Der kumulierte Durchschnitt ist die Zahl, die für Bewerbungen, Stipendien oder die Zulassung zu einem Master oft eine Rolle spielt. Welche Zahl in deinem Fall zählt, steht in den Regeln deiner Hochschule.

Der kumulierte Durchschnitt ist kein Mittelwert der Semesterwerte

Ein verbreiteter Denkfehler: Man nimmt die Durchschnitte der einzelnen Semester und mittelt sie. Das stimmt nur, wenn alle Semester gleich viele Kreditpunkte hatten. Der kumulierte Durchschnitt wird mit derselben Formel berechnet wie jeder gewichtete Durchschnitt: Jede Note mal die Kreditpunkte ihres Kurses, alles addieren, durch die Summe aller Kreditpunkte teilen. Wie das im Detail funktioniert, steht in der Anleitung zum gewichteten Durchschnitt.

Dadurch zählt ein Semester mit vielen Kreditpunkten im Gesamtwert stärker als ein Semester mit wenigen. Das ist gewollt, denn mehr Kreditpunkte stehen meist für mehr Lernaufwand.

Ein Rechenbeispiel

Wir nehmen die deutsche Notenskala, auf der 1,0 die beste Note ist. Im ersten Semester hat jemand vier Kurse mit zusammen 30 Kreditpunkten belegt, im zweiten Semester neben einem Nebenjob nur zwei Kurse mit zusammen 12 Kreditpunkten.

SemesterKursNoteKreditpunkteNote × Kreditpunkte
1Kurs A1,7610,2
1Kurs B2,3613,8
1Kurs C2,0918,0
1Kurs D3,0927,0
2Kurs E1,367,8
2Kurs F1,7610,2

Semesterdurchschnitt 1: (10,2 + 13,8 + 18,0 + 27,0) ÷ 30 = 69,0 ÷ 30 = 2,30.

Semesterdurchschnitt 2: (7,8 + 10,2) ÷ 12 = 18,0 ÷ 12 = 1,50.

Kumulierter Durchschnitt: (69,0 + 18,0) ÷ (30 + 12) = 87,0 ÷ 42 = 2,07 (gerundet von 2,0714).

Zum Vergleich: Der einfache Mittelwert der beiden Semesterwerte wäre (2,30 + 1,50) ÷ 2 = 1,90. Das ist deutlich besser als der echte kumulierte Wert von 2,07, weil das schwächere erste Semester mit 30 von 42 Kreditpunkten mehr Gewicht hat als das starke zweite Semester mit nur 12.

Warum der Gesamtwert so träge reagiert

Angenommen, im dritten Semester belegt dieselbe Person 30 Kreditpunkte und erreicht dort einen Schnitt von 1,5. Der kumulierte Durchschnitt wird dann (87,0 + 30 × 1,5) ÷ (42 + 30) = 132,0 ÷ 72 = 1,83. Das Semester war um 0,57 Notenpunkte besser als der bisherige Gesamtwert (2,07), der Gesamtwert bewegt sich aber nur um 0,24.

Läuft das dritte Semester dagegen schlecht, mit 30 Kreditpunkten und dem Schnitt 3,0, ergibt sich (87,0 + 90,0) ÷ 72 = 177,0 ÷ 72 = 2,46. Auch das ist keine Katastrophe, aber ein spürbarer Rückschritt. Je mehr Kreditpunkte schon hinter dir liegen, desto weniger verschiebt ein einzelnes Semester die Zahl. Das gilt in beide Richtungen: Ein schlechtes Semester ruiniert nicht alles, ein gutes Semester holt aber auch nicht sofort alles heraus. Wie viel sich noch bewegen lässt, siehst du auch in Wie viel kann sich dein Durchschnitt noch ändern?.

Was du daraus machen kannst

  • Beide Werte nebeneinander ansehen. Ein guter Semesterdurchschnitt bei schwächerem Gesamtwert zeigt, dass du dich verbesserst. Ein fallender Semesterdurchschnitt ist ein frühes Warnsignal, bevor der Gesamtwert reagiert.
  • Die Kreditpunkte im Blick behalten. Ein Semester mit wenigen Kreditpunkten verändert den Gesamtwert kaum, egal wie gut oder schlecht es lief.
  • Mit Zahlen planen statt zu raten. Rechne durch, welchen Schnitt du im nächsten Semester brauchst, um ein Ziel zu erreichen. Ideen dafür findest du in 10 Wege, deinen Notendurchschnitt zu verbessern.
  • Die Regeln deiner Hochschule kennen. Manche Studiengänge rechnen nur bestimmte Module oder Studienphasen in die Abschlussnote ein, manche gewichten sie unterschiedlich. Das steht in der Prüfungsordnung.

Im Rechner siehst du beide Werte, ohne selbst zu rechnen: Du trägst deine Kurse mit Semester, Note und Kreditpunkten ein. Deine Daten bleiben dabei auf deinem Gerät. Berechne hier deinen Durchschnitt.