Erst durchatmen, dann rechnen
Eine schlechte Note fühlt sich im ersten Moment größer an, als sie rechnerisch meistens ist. Bevor du Entscheidungen triffst, lohnt sich ein Tag Abstand. Danach hilft eine nüchterne Frage: Was ändert diese Note an meinem Gesamtdurchschnitt, und was bleibt gleich?
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen zwei Fällen. Bestanden, aber schlecht (zum Beispiel eine 4,0): Die Note geht in den Durchschnitt ein, und du hast die Leistungspunkte. Nicht bestanden (zum Beispiel eine 5,0): Meist fehlen dir die Leistungspunkte, und du musst den Kurs oder die Prüfung wiederholen. Ob eine nicht bestandene Note im Durchschnitt auftaucht, regelt deine Prüfungsordnung. Oft zählt nur die bestandene Note, aber verlass dich nicht darauf.
Mit Zahlen einordnen: ein Rechenbeispiel
Angenommen, du hast nach zwei Semestern 60 Leistungspunkte (LP) mit einem gewichteten Durchschnitt von 2,0. Gewichtet heißt: Jede Note wird mit den LP des Moduls multipliziert, die Summe wird durch die gesamten LP geteilt (mehr dazu in der Anleitung zum gewichteten Durchschnitt). Dann gilt:
- Summe bisher: 60 × 2,0 = 120
- Ein Modul mit 6 LP wird mit 4,0 bestanden: 6 × 4,0 = 24
- Neuer Durchschnitt: (120 + 24) ÷ 66 = 2,18
Das ist im Moment ein spürbarer Sprung von 2,00 auf 2,18. Aber der Schnitt wird mit jedem weiteren Modul stabiler. Nehmen wir an, du absolvierst bis zum Ende des Bachelors insgesamt 180 LP, und alle übrigen 114 LP schließt du mit 2,0 ab:
| Posten | LP | Note | Note × LP |
|---|---|---|---|
| Bisherige Module | 60 | 2,0 | 120 |
| Das schlechte Modul | 6 | 4,0 | 24 |
| Alle weiteren Module | 114 | 2,0 | 228 |
| Summe | 180 | 372 |
Der Durchschnitt: 372 ÷ 180 = 2,07. Ohne das schlechte Modul wären es 2,00. Die eine Note kostet am Ende also 0,07. Das Beispiel ist erfunden und soll nur die Größenordnung zeigen: Je mehr LP noch vor dir liegen, desto weniger fällt ein einzelnes Modul ins Gewicht. Umgekehrt wirkt eine schlechte Note stärker, wenn sie ein großes Modul betrifft oder wenn du schon fast fertig bist. Wie viel Spielraum du in deiner Lage noch hast, kannst du in Wie stark kann sich dein Durchschnitt noch ändern? nachlesen.
Deine Optionen
Welche davon bei dir möglich sind, hängt von deiner Hochschule und deinem Studiengang ab. Die einzige verlässliche Quelle ist deine Prüfungsordnung, ergänzt durch das Prüfungsamt oder die Studienberatung.
- Prüfung ansehen. An vielen Hochschulen kannst du in deine korrigierte Klausur Einsicht nehmen, oft innerhalb einer Frist. Du siehst, wo Punkte fehlten, und lernst daraus für den nächsten Versuch.
- Wiederholungstermin. Bei einer nicht bestandenen Prüfung gibt es meist einen weiteren Termin. Oft ist die Zahl der Versuche begrenzt, und es gelten Fristen. Prüfe das, bevor du den Termin verstreichen lässt.
- Bestanden, aber schlecht. Ob du eine bestandene Prüfung zur Notenverbesserung wiederholen darfst, ist unterschiedlich geregelt. Manche Hochschulen erlauben es, andere nicht. Wie eine Wiederholung gezählt wird (letzte, beste oder beide Noten), erklärt Einen Kurs wiederholen und dein Durchschnitt.
- Anderes Modul wählen. Bei Wahlpflichtmodulen kannst du manchmal stattdessen ein anderes Modul belegen. Frag nach, ob das in deinem Studiengang geht.
- Beratung nutzen. Studienberatung, Fachschaft oder Dozierende kennen die Regeln und die typischen Stolpersteine eines Moduls.
Ein Plan in vier Schritten
- Regeln klären. Wie viele Versuche hast du, bis wann, und wie wird die Note gezählt?
- Ursache suchen. Hat es am Stoff gelegen, an der Zeit, an der Prüfungsform oder an der Tagesform? Mit Einsicht in die Klausur wird die Antwort konkreter.
- Gezielt anders lernen. Nicht einfach mehr vom Gleichen. Alte Klausuren üben, Aufgaben selbst lösen, Fragen in der Gruppe klären. Wie du deine Zeit dafür einteilst, steht in Zeitmanagement im Studium: Strategien für volle Semester.
- Szenarien rechnen. Berechne deinen Durchschnitt mit der alten Note und mit der Note, die du beim nächsten Versuch realistisch erwartest. Beispiel mit denselben Zahlen: Gelingt im zweiten Versuch eine 3,0 und zählt die neue Note, ergibt sich (120 + 6 × 3,0 + 228) ÷ 180 = 366 ÷ 180 = 2,03. Der Unterschied zu 2,07 ist klein. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt also auch davon ab, was dir sonst Zeit nimmt.
Und noch etwas, das keine Rechnung ersetzt: Eine schlechte Note sagt etwas über eine Prüfung aus, nicht über dich. Wenn dich die Situation sehr belastet, sprich mit Freundinnen, Freunden oder den Beratungsangeboten deiner Hochschule.
Willst du es mit deinen eigenen Noten sehen? Berechne deinen Durchschnitt in der App und spiele verschiedene Szenarien durch.